Für Lehrkräfte
Best Practice #2
Vermittlung der Herkunftssprache Polnisch mithilfe von Musik
von Anna Maria Schaefer
Wie kann die polnische Herkunftssprache bei Kindern im Alter von 4–6 Jahren spielerisch und ganzheitlich gefördert werden?
Die Opernsängerin und Musikpädagogin Anna Maria Schaefer stellt ihr erprobtes Unterrichtskonzept vor, das Musik, Bewegung und Sprachförderung verbindet.
Highlights des Konzepts
♦ Musikalische Zugänge zur Sprach-, Bewegungs- und Mathematikförderung
♦ Einsatz traditioneller und klassischer Musikstücke
♦ Übersicht über 10 bewährte Unterrichtsmethoden
„Polnisch für die Kleinsten“
Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die musikalische Förderung der Herkunftssprache Polnisch bei Kindern im Alter von 4–6 Jahren. Musik dient hierbei als zentrales Medium, um Sprache spielerisch, emotional und ganzheitlich zu vermitteln. Durch Lieder, Bewegung, Rhythmik und kulturelle Bezüge werden Sprachkompetenz, soziale Interaktion und Identifikation mit der eigenen Herkunft gestärkt.
Der Unterricht beginnt mit Begrüßungsliedern in beiden Sprachen, die die Kinder auf die zweisprachige Lernumgebung einstimmen und Rituale schaffen. Verwendet werden unter anderem:
• „Na powitanie wszyscy razem“ – traditionelles polnisches Lied
• „Dzień dobry dzieci“ – von Adrianna Furmaniak-Celejewska (Muzolandia przedszkolaka)
• „Kot muzykant wita was“ – aus Musik und Tanz für Kinder (Schott Verlag), polnische Adaption: Anna Maria Schaefer
Diese Lieder fördern das aktive Zuhören, die Aussprache und den altersgerechten Wortschatz in beiden Sprachen.
Hier werden musikalische und motorische Elemente verbunden:
Während des Hörens von Antonio Vivaldis „Frühling“ aus „Die vier Jahreszeiten“ zeichnen die Kinder Bewegungen in die Luft.
Diese Übung stärkt ihre visuell-motorische Wahrnehmung, fördert musikalisches Empfinden und erweitert gleichzeitig den Wortschatz rund um Natur und Jahreszeiten.
Auch mathematische Lernprozesse sind in den Unterricht integriert.
Beim Hören der Kindersinfonie von Leopold Mozart (Musik und Tanz für Kinder, Schott Verlag) zählen die Kinder spielerisch alle Kuckucksrufe.
So werden Zahlverständnis, Konzentration und musikalisches Hören miteinander verbunden.
Als thematischer Einstieg dient das Lied:
• „Dieser Kuckuck, der mich neckt“ – Ernst Schmied, aus Musik und Tanz für Kinder (Schott Verlag), polnische Textadaption: Anna Maria Schaefer
Zur Auflockerung und Rhythmisierung des Unterrichts werden polnische Kinderlieder eingesetzt, zum Beispiel:
• „Leci pliszka“ – Text: Maria Konopnicka, Musik: Zygmunt Noskowski
• „Kukułeczka“ – Text: Maria Konopnicka, Musik: Zygmunt Noskowski
Diese Werke stammen aus dem “Śpiewnik dla dzieci na głos z fortepianem“und fördern Aussprache, Rhythmusgefühl und Kulturverbundenheit.
Durch den gezielten Einsatz von Musik wird Sprache lebendig erfahrbar, die Freude am Sprechen und Entdecken gestärkt, kognitive Fähigkeiten (Hören, Zählen, Bewegen) ganzheitlich gefördert und gleichzeitig die Verbindung zur polnischen Kultur und Identität gepflegt.
Als Diplom-Musikpädagogin integriere ich zahlreiche Musikelemente in den Unterricht, was das Erlernen der polnischen Sprache spürbar beschleunigt. Zu meinen musikalischen Methoden gehören unter anderem:
• Musikalische Bearbeitung von Gedichten
Gedichte werden vertont und gemeinsam gesungen oder rhythmisch gesprochen.
• Lernen durch thematisches Singen
Das Hören und Mitsingen polnischer Lieder hilft, die richtige Aussprache, Intonation und Sprachmelodie zu verinnerlichen.
• Zeichnen in der Luft zu Musik mit geschlossenen Augen
Die Methode aktiviert mehrere Sinne und unterstützt die Verankerung neuer Begriffe.
• Simultanisch-sequenzielle Methode des Leselernens
Diese Methode fördert das Lesenlernen durch eine Kombination aus simultaner und sequenzieller Vermittlung.
• Brainstorming nach Alex Osborn
Kreative Ideenfindung und Problemlösung werden durch strukturierte Gruppenarbeit unterstützt.
• Aktivierende Methoden durch Bilder (Stummer Impuls-Effekt)
Visuelle Impulse regen zum eigenständigen Denken und Sprechen an.
• Active Blended Learning
Die Verbindung von Präsenz- und Online-Lernphasen ermöglicht individuelles und kooperatives Lernen.
• Learning by Doing
Praktisches Handeln steht im Vordergrund, wodurch die Lernenden aktiv und selbstständig Wissen erwerben.
• Total Physical Response (TPR)
Durch körperliche Aktivitäten werden Sprache und Bewegung miteinander verknüpft, was das Behalten und Verstehen erleichtert.
In meinem Unterrichtskonzept verbinde ich innovative musikpädagogische Ansätze mit bewährten Methoden des Fremdsprachenerwerbs. Die von mir verwendeten Techniken habe ich über zehn Jahre an Musikschulen, zwei Jahre an Grundschulen und seit 2019 an weiterführenden Schulen erfolgreich angewendet. Die Methoden sind fächerübergreifend einsetzbar und fördern nicht nur das Sprachenlernen, sondern auch Kreativität und ganzheitliche Entwicklung der Lernenden.