Argumentationshilfen

Hier finden Sie Ansatzpunkte für Gespräche zum Thema Polnisch als Herkunftssprache – zum Beispiel mit Personal in der Schule oder Kita.

„Die Mehrsprachigen”

In diesem Film erfahren Sie wichtige Themen rund um die mehrsprachige Erziehung von Kindern. Darüber spricht Dr. Anna Mróz, Expertin für Mehrsprachigkeit. Ein besonderer Wert des Films liegt auch in den Aussagen der Teilnehmenden des Familienseminars „Polnischer Sommer“, das 2024 von KoKoPol in St. Marienthal organisiert wurde.

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Die typischen Fragen…

und die passenden Antworten finden Sie auf dieser Seite. Wenn Sie sich mit Vorurteilen gegenüber mehrsprachiger Erziehung konfrontiert sehen, ganz gleich ob von Freunden, Familie oder im Umfeld von Kita oder Schule, liefern wir Ihnen – wissenschaftlich fundierte – Antwortmöglichkeiten.

„Sollte dein Kind nicht einfach nur Deutsch sprechen,
damit es sich besser integriert?“

Der Rat, dass ein Kind nur Deutsch sprechen sollte, vernachlässigt die Bedeutung der Herkunftssprache für die kognitive, kulturelle und vor allem emotionale Entwicklung des Kindes. Das Bewahren der Herkunftssprache und ihre Akzeptanz im Umfeld stärken das Selbstwertgefühl und das Wohlbefinden des Kindes, lösen viele seiner inneren Spannungen und Identitätsprobleme. Dies fördert seine allgemeine Entwicklung, Lernfähigkeiten und Integration. (Bialystok, E. 2017, Grosjean, F. 2017)

„Versteht dein Kind auch alles, was du ihm in
der anderen Sprache sagst?“

Mehrsprachige Kinder erwerben und verstehen ihre Sprachen kontextabhängig und in unterschiedlichen Dimensionen, wie etwa emotionalen, kognitiven, sozialen und linguistischen Aspekten. Einsprachige Kinder entwickeln auch erstmal ihren Sprachgebrauch. Es ist ein schrittweiser Prozess des Spracherwerbs. Es ist normal, dass mehrsprachige Kinder zu unterschiedlichen Entwicklungszeiten in jeder Sprache unterschiedliche Kompetenzen haben. Mit zunehmendem Sprachkontakt in der Umgebung entwickelt sich ein tieferes Verständnis beider Sprachen. (De Houwer, A. 2009, Kovács, Á. M., & Mehler, J. 2017, Paradis, J. 2019).

„Sollte dein Kind nicht nur eine Sprache sprechen, damit es
nicht verwirrt wird?“

Mehrsprachige Kinder entwickeln die Fähigkeit, zwischen Sprachen zu wechseln (Code-Switching). Diese Fähigkeit hängt vom Kontext ab und ist ein normaler Teil der sprachlichen Entwicklung. Die Intensität und Häufigkeit der Sprachverwendung sowie die Qualität der sprachlichen Vermittlung sind wesentliche Faktoren, die die Beziehung zwischen Mehrsprachigkeit und kognitiven Funktionen beeinflussen. Das Erlernen mehrerer Sprachen bringt oft kognitive Vorteile mit sich, wie bessere Problemlösungsfähigkeiten und eine effizientere Arbeitsgedächtnisleistung. Eltern, die konsequent in ihrer Sprache mit ihrem Kind sprechen, erleichtern es ihm, die Sprachen zu trennen und die Fähigkeit zu entwickeln, sie frei an die Gesprächspartner anzupassen. Gleichzeitig fördert eine freundliche Haltung im familiären Umfeld gegenüber der Sprache und Kultur der Umgebung eine leichtere Adaptation im Kindergartenumfeld und im weiteren Bildungsweg. Solche Bedingungen helfen dem Kind, sich in der Mehrsprachigkeit zurechtzufinden und darin einzutauchen. (Kovács, Á. M., & Mehler, J. 2017, Bialystok, E. 2017)

„Erschwert die Herkunftssprache nicht das Erlernen der
Landessprache und die Integration der Schülerinnen und Schüler?“

Lehrkräfte, die die Mehrsprachigkeit ihrer Schüler und Schülerinnen anerkennen und unterstützen, fördern ein besseres Lernumfeld und ihre Lernprozesse in einer Atmosphäre der Akzeptanz. Die Förderung von Mehrsprachigkeit in der Schule hilft dabei, sprachliche und kulturelle Barrieren abzubauen und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl der Jugendlichen, was zur besseren Integration führen kann. Die Unsichtbarkeit der Herkunftssprachen sowie die Sprachverbote in der Schule können zu Identitätskonflikten und Diskriminierungserfahrungen führen. Gelebte Mehrsprachigkeit ist ein wichtiger Ansatz für das Wohlbefinden und die Entwicklungsprozesse der Kinder in der Schule. (Cummins, J. 2000, Gogolin, I. 2016, Paradis, J. 2019).

„Warum sprichst du zu deinem Kind nicht einfach
immer in der Sprache, die hier alle verstehen?“

Das Pflegen der Herkunftssprache eines Kindes entspringt dem natürlichen Bedürfnis der Eltern, mit ihren Kindern in ihrer Herzenssprache zu kommunizieren. Die pädagogischen Kompetenzen der Eltern sind häufig in der Sprache verankert, in der sie selbst aufgewachsen sind. Ihre kognitiven und emotionalen Ausdrucksfähigkeiten, die eine zentrale Grundlage für die Bindung zum Kind bilden, kommen in ihrer Muttersprache am stärksten zum Ausdruck. Die Förderung der Herkunftssprache stärkt das Selbstbewusstsein des Kindes, erhöht seine kommunikative Flexibilität und trägt zu einem erweiterten Verständnis für verschiedene Kulturen bei. (Cummins, J. 2000, Schwartz, Mila & Verschik, Anna 2013).

„Sollte sich dein Kind nicht mehr auf die deutsche Sprache
konzentrieren? Braucht es die Herkunftssprache überhaupt?“

Jede Sprache ist ein Schatz! Sowohl die Herkunftssprache als auch die Sprache der Umgebung spielen eine entscheidende Rolle in der emotionalen, kognitiven und sozialen Entwicklung des Kindes. Starke sprachliche Grundlagen in der Herkunftssprache unterstützen das spätere Erlernen der Zweitsprache und stärken die emotionalen Bindungen innerhalb der Familie. Kinder erwerben Sprachen auf natürliche Weise, ohne es bewusst zu lernen, sobald sie ausreichend attraktiven, situationsbezogenen und emotional verankerten Sprachinput erhalten. Dies überfordert sie nicht, sondern fördert ihre Entwicklung und entfaltet ihr sprachliches Potenzial. (Paradis, J. 2019, Szelc, A. 2018)

„Warum nicht einfach alle Kinder auf der gleichen Sprache erziehen?
So gäbe es keine Verwirrung!“

Die Herkunftssprache eines Kindes ist ein wertvolles kulturelles und familiäres Erbe. Das Recht, in der eigenen Sprache auch im öffentlichen Raum zu kommunizieren, ist im Grundgesetz verankert, und niemand darf wegen seiner Sprache oder Herkunft benachteiligt werden. Das Recht auf eigene Sprache ist auch durch internationale Abkommen und Konventionen geschützt. (Artikel 3 GG (Gleichbehandlung), Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948), Europäische Menschenrechtskonvention (1950), Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen (1992), Schneider, S. 2015, Cummins, J. 2017).

„Wird dein Kind keine Probleme in der Schule haben, wenn es
zweisprachig aufwächst?“

Der gleichzeitige Erwerb von zwei Sprachen hat keinen negativen Einfluss auf die kognitive Entwicklung von Kindern und ihre schulischen Leistungen. Im Gegenteil, mehrsprachige Kinder entwickeln häufig eine größere Bereitschaft, Perspektiven zu wechseln, was ihnen das Lernen erleichtern kann. Eine wichtige Rolle bei ihrer Adaptation spielt ein unterstützendes Schulumfeld und die Qualität der sprachlichen Vermittlung. In Sprachtests schneiden diese Kinder oft genauso gut oder besser ab als einsprachige Kinder, besonders wenn sie in beiden Sprachen gut unterstützt werden. (Bialystok, E., & Barac, R. 2019, Grosjean, F., & Li, P. 2020, Piske, T. 2020).

„Soll das Kind nicht erstmal Deutsch vor
der Herkunftssprache lernen?“

Das gleichzeitige Erlernen beider Sprachen fördert sowohl die sprachliche als auch die kognitive Entwicklung des Kindes. Die Herkunftssprache stärkt die Bindung des Kindes zur Familie sowie seine kulturelle Identität. Darüber hinaus unterstützt eine solide Grundlage in der Herkunftssprache das effektive Erlernen der Zweitsprache, z. B. Deutsch. Vernachlässigung der Herkunftssprache kann dazu führen, dass Kinder den Zugang zu ihren Traditionen und ihrer Familiengeschichte verlieren. Der Verlust der Herkunftssprache kann die Kommunikation in der Familie erschweren, Beziehungen stören und ein Gefühl der intergenerationalen Entfremdung hervorrufen. (Szelc, A. 2018, Heinz, A., Kluge, U., & Lüdecke, D. 2016)

„Ist eine Sprachentwicklungsstörung mit der Mehrsprachigkeit verbunden?“

Mehrsprachigkeit ist nicht direkt mit Sprachentwicklungsstörungen verbunden. Kinder, die zweisprachig aufwachsen, können genauso wie einsprachige Kinder Sprachstörungen entwickeln, wenn andere Risikofaktoren vorliegen. Eine Sprachentwicklungsstörung tritt auf, wenn Kinder in beiden Sprachen Schwierigkeiten haben, für ihre Altersgruppe typischen sprachlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Dies erfordert eine Diagnose und logopädische Therapie. Wenn Kinder im Spracherwerbprozess der Zweitsprache sind, können Sprachauffälligkeiten auftreten, die ein Signal für natürliche Entwicklungsprozesse sind oder weisen auf eine zu kurze Zeit des Eintauchens in der Zweitsprache oder auf einen nicht ausreichenden Sprachinput. In dem Fall ist eine Sprachförderung empfehlenswert. (Bialystok, E. 2007, Kesper, J. 2008)

Fachliteratur
  • Bialystok, E. (2017). The bilingual brain: And what it tells us about the science of language. Basic Books.
  • Bialystok, E., & Barac, R. (2019). Cognitive and Linguistic Benefits of Bilingualism: From Theory to Practice. In Language Learning and Development (Vol. 15, Issue 3, pp. 225-242).
  • Cummins, J. (2000). Language, Power and Pedagogy: Bilingual Children in the Crossfire. Multilingual Matters.
  • Cummins, J. (2017). Educating Multilingual Children: A Critical Perspective. Multilingual Matters.
  • De Houwer, A. (2009). Bilingual First Language Acquisition. Multilingual Matters.
  • Grosjean, F. (2017). Bilingual: Life and Reality. Harvard University Press.
  • Grosjean, F., & Li, P. (2020). The Psycholinguistics of Bilingualism. John Wiley & Sons.
  • Heinz, A., Kluge, U., & Lüdecke, D. (2016). Transkulturelle Aspekte psychischer Erkrankungen. Berlin: Springer.
  • Kesper, J. (2008). Sprachentwicklung bei Mehrsprachigkeit. Zeitschrift für Sprachheilpädagogik. (Dieser Titel ist auf Deutsch und nicht auf Englisch.)
  • Kovács, Á. M., & Mehler, J. (2017). Cognitive Advantages of Bilingualism: A New Perspective. Trends in Cognitive Sciences.
  • Paradis, J. (2011). The Development of Simultaneous Bilingualism. In K. E. Miller & L. E. Marsh (Eds.), The Bilingual Family: A Handbook for Parents (pp. 123–139). Cambridge University Press.
  • Paradis, J. (2019). Bilingualism and Deafness: On Language Contact in the Bilingual Mind. Cambridge University Press.
  • Piske, T. (2020). Deutsch- und Englischleistungen von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund im bilingualen Unterricht und im Fremdsprachenunterricht: Ein Vergleich. In A. Ballis & N. Hodaie (Hrsg.), Perspektiven auf Mehrsprachigkeit: Individuum – Bildung – Gesellschaft (S. 95-115). Berlin: De Gruyter.
  • Rocławska-Daniluk, M. (2011). Dwujęzyczność a rozwój mowy dzieci w wieku przedszkolnym.
  • Schneider, S. (2015). Multilingualism and the Politics of Language. Oxford University Press.
  • Schwartz, Mila & Verschik, Anna (Eds.) (2013). Successful Family Language Policy: Parents, Children and Educators in Interaction. Dordrecht: Springer
  • Szelc, A. (2018). Multilingualism in Early Childhood Education: A Polish Perspective.
  • Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948)
  • Europäische Menschenrechtskonvention (1950)
  • Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen (1992)

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